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Foto: Stemmer (Wochenblatt für  Landwirtschaft und Landleben)

   

Tularämie

in der Burgau

 

(Beitrag im pdf-Format)

 

Vor ein paar Tagen bemerkte ein Spaziergänger einen Feldhasen, der offensichtlich am Verenden war. Er lag auf dem Damm, der das Hafengelände vom Federbach trennt. Die verständigte Hafenpolizei benachrichtigte einen Jagdpächter, der das Tier von seinem Leiden erlöste. Beim Abtransport der Leiche beachtete er nicht alle Hygieneregeln. Die Krankheit des Feldhasen übertrug sich auf ihn, als er das tote Tier zum Veterinäramt verbrachte.

Dort lautete die Diagnose: Tularämie. Der Erreger der Tularämie ist das hochansteckende Bakterium Francisella tularansis. Nicht nur für den Hasen kann die Infizierung mit diesem Erreger zum Tode führen.

Über diesen Ansteckungsfall in der "Burgau" hat der SWR einen Filmbeitrag erstellt, in dem eindringlich auf die Ansteckungsgefahr hingewiesen wird.

Eine wissenschaftliche Aufbereitung des Themas findet sich im Internet. Am 21.01.2006 reichte Frau Heide-Sabrina Friebe eine Dissertation bei der Technischen Universität München zur Erlangung eines Doktors der Medizin mit dem Titel ein Überblick zur globalen Verbreitung der Tularämie und seroepidemiologische Untersuchung zur menschlichenPrävalenz von Francisella tularensis in Deutschland“ . Darin befindet sich als Abbildung 4 eine Übersicht über die „Verteilung der in Deutschland zwischen 1974 bis 2004 gemeldeten menschlichen Tularämiefälle auf die einzelnen Regierungsbezirke“.  Nach dieser Übersicht sind in diesen 30 Jahren in Karlsruhe 11 Ansteckungsfälle aufgetreten. Auffällig ist, dass Karlsruhe alle anderen Bezirke in der Anzahl der Fälle weit übertrifft.

 Die Ansteckung des Menschen mit Tularämie blieb und bleibt demnach auf wenige Fälle beschränkt. Trotzdem wird hier darauf aufmerksam gemacht, dass diese Erkrankung sehr ernst zu nehmen ist. Dazu sei auch der aktuelle Bericht vom 23.10.2015 über die Erkrankung eines Jägers aus Ostwestfalen über das „Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben“ eingeblendet:

 Carsten Vogt hatte an dem besagten Dienstag im Juli 2015 nur eine kleine Wunde am Nagelbett, als er den Hasen anfasste. Aber diese Verletzung reichte aus, damit die Erreger vom toten Hasen in seinen Körper eindringen konnten. „Nach fünf Tagen bekam ich hohes Fieber und Schüttelfrost. Ich habe darauf getippt, dass ich eine Grippe bekomme“, erinnert sich der Jäger. Am Montag nach dem Kontakt stellte der Hausarzt neben den grippeähnlichen Symptomen fest, dass die Nierenwerte schlecht waren, und verschrieb ein Breitbandantibiotikum. Trotzdem trat keine Besserung ein.

Am Mittwoch telefonierte Vogt, der vor Schwäche inzwischen nicht mehr alleine gehen konnte, noch einmal mit dem Hausarzt. Dieser fragte ihn, ob er Kontakt zu Tieren gehabt hätte. „Dann ist mir eingefallen, dass ich den toten Hasen aufgenommen hatte – ausnahmsweise ohne Handschuhe, weil im Auto keine mehr lagen“, erzählt der 45-Jährige. Daraufhin wurde noch einmal sein Blut untersucht und tatsächlich Tularämie diagnostiziert. Nun konnte gezielt ein Antibiotikum eingesetzt werden. Tags darauf verbesserte sich der Zustand des Jägers bereits. „100%ig fit bin ich aber auch fast vier Monate nach der Infektion noch nicht“, berichtet Vogt. Er rät allen, die tote oder kranke Hasen oder Kaninchen treffen, Sicherheitsmaßnahmen zu beachten.“

Die Übertragung von Tularämie auf den Menschen erfolgt über den Kontakt verletzter Haut oder Schleimhaut mit infektiösem Tiermaterial, über den Verzehr von nicht ausreichend erhitztem Wildbret sowie durch Einatmen erregerhaltiger Staubpartikel oder Tröpfchen (Dr. Michael Schürmann, Kreisveterinär). Auch Hunde können sich infizieren und den Erreger weiter geben.

Wer tote oder kranke Tiere auffindet, sollte sie nicht anfassen, einen Hund fernhalten und die Wasserschutzpolizei Karlsruhe Tel.: 0721 59715 0 informieren. Von dort wird das Weitere veranlasst.

Der Jäger konnte nach Behandlung mit Antibiotika inzwischen wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden.

 

Anlagen:

-  „Vorsicht Hasenpest“ ein Filmbeitrag des SWR 3, am 25.11.2015 gesendet

-  Abbildung 4 (Anlage zur Dissertation)

-  Wochenblatt für Landwirtschaft und Landleben vom 23.10.2015

 

 

 

 

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Karlsruhe, November 2015

max.albert@mail.de

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de