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Hofgut Maxau 2015

 

  

 

Anerkennung

(Beitrag im pdf-Format)

 

Wer mal was Besonderes leisten möchte, beteiligt sich über den Naturschutz am Kräftespiel der Interessen. Ehrenamtlich natürlich, mit einem festen Arbeitsplatz als Wohnungsverwalter, oder einem anderen sicheren Job. Etwas übrige Kraft und ein geduldiges Umfeld dürfen ebenfalls nicht fehlen.

Es ist eine Aufgabe, wie jede andere: Über alle Kanäle alle Register ziehen, vorausdenken, nicht aufgeben und ….. Glück haben. Leidenschaft für den selbst gewählten Job steht vor einer speziellen Ausbildung. Naturschutz als politische Aufgabe gesehen, verlangt gute Allgemeinbildung aber keine besonderen Fachkenntnisse. (Sie sind dagegen unabdingbar, wenn Gutachten zu erstellen sind, d.h. die Aufgabe fachlich angesetzt wird.)  Ich sah mich als Politiker. Politik für den Naturschutz. Eine Funktion ohne Jubel über Gelungenes und ohne Trauer über Verlorenes.

Naturschutz verlangt Verzicht auf die Nutzung rar gewordener, nicht überbauter Böden für das Arbeiten, das Wohnen und das Fahren. Verzicht, der auch noch was kostet: Kontrollaufwand für die Durchsetzung der Schutzziele und Pflegeaufwand der unter Schutz gestellten Kulturlandschaft. Denn unter Schutz gestellt wird eine auf uns angepasste, im Laufe der Generationen mehrfach überformte Landschaft. Natur im wahren Sinne des Wortes gibt es hier nicht mehr. Hinter ihr könnte man einfach die Tür schließen und die Erde sich selbst überlassen.

Der Fürsorge für die Natur steht auf gleicher Fläche der Wunsch nach Nutzung entgegen. Dieser Wunsch hat viele Befürworter, die mit wohlformulierten Argumenten die Notwendigkeit der Bebauung begründen. Und dem Naturschutz den Vorwurf unterbreiten, gegen die Schaffung von Arbeitsplätzen anzutreten. Gegen Lohn und Kaufkraft, gegen Steuereinnahmen und Aufschwung.

Der Verzicht auf Nutzung, hat aber nicht das allgemein befürchtete Ausmaß. Die vier Grundnutzungsarten des grünen Raumes, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Fischerei bleiben erhalten. Auch auf naturgeschützter Fläche wird Ertrag erzielt: Holz, Frucht, Fisch und Fleisch. Mit den Nutznießern, also Förstern, Landwirten, Anglern und Jägern sitzt der ehrenamtliche Naturschutz auf einer Seite des Tisches und findet nur manchmal ein zufriedenstellendes Übereinkommen. Denn die Einzigen, die zweckfrei antreten, sind die Naturschutzverbände. Als die Lobby für Tier und Pflanze, also den Lebewesen, denen wir unseren Lebensraum in vielen Jahrtausenden nach und nach abgerungen haben.

Die Distanz des ehrenamtlichen Naturschutzes zu den angestammten Nutzern des Bodens nährt sich aus den für diese geltenden Grundregeln der „Ordnungsmäßigkeit“. Diese Regeln bestimmen, was der Natur zugemutet werden kann, nach Maßstäben, die sich am Ertrag aus Frucht und Holz und am Vergnügen aus Fisch und Fleisch ausrichten. Also weniger an den Belangen der Natur.       

 Manchmal stimmt einer der Vier ökologisch orientiertem Verhalten zu, das über die vorgeschriebenen Regeln der „Ordnungsmäßigkeit“ hinausgeht, da der Nutznießer erkennt, dass diese Regeln nicht ausreichen, den Artenschwund aufzuhalten. Er geht, will er verkaufen, damit das Risiko ein, das alternativ erzeugte Produkt mit seinen höheren Produktionskosten auf dem Markt nicht ausreichend absetzen zu können. Das ist unternehmerisch gesehen, auch heute noch eine gewagte Entscheidung.

Bei einer solch mangelhaften Grundlage ist die Umwerbung des Verbrauchers für eine dem Schutz der Natur angepasste Lebenseinstellung und für die Notwendigkeit von Schutzregeln weitaus zu gering ausgeprägt. Alle Versuche, Verständnis für die Bewahrung der Artenvielfalt zu erzielen, sind deshalb gescheitert. Nicht nur deshalb, dazu tritt das Unvermögen, ein gemeinsames Anliegen daraus zu machen. Weil? Weil wir uns beschimpfen, bekämpfen, erschlagen. Wir kommen gar nicht dazu, zweckfreie Ziele gemeinsam werden zu lassen. Gerade heutzutage wird unsere Unreife wieder besonders deutlich.

Das Problem einer wirksamen Anerkennung der Produktion unter ökologischen Bedingungen vervielfältigt sich auf dem Markt u.a. durch laxe Normen für die landwirtschaftlichen Betriebe. Sie lassen z.B. zu, dass sich Großbauern auf die Herstellung nur eines Produktes unter ökologischen Regeln sammeln und diese zertifiziert als ökologisch erzeugtes Produkt konkurrenzlos billig auf den Markt bringen können.  Wirklich charakteristisch für den ökologischen Landbau ist aber ein weitgehend geschlossenes Betriebssystem. Z.B. müssen die Tiere aus eigenen Produkten ernährt werden. Gedüngt wird mit deren Fäkalien und mit Untersaaten, Zwischenfrüchten usw. usw.  Der wirkliche Ökolandwirt hat also geringe Chancen, wenn er im Markt mit höheren Produktionskosten auftritt.

Das ist eine Vielzahl von Problemen. Doch jetzt mal die andere Seite.

Wer sich mit Haut und Haaren der Idee des Erhalts der Natur hingibt, neigt dazu, andere Bestrebungen empört abzulehnen. Bei aller Besessenheit sind gewichtige Argumente für Investitionen und für den Ertrag daraus nicht einfach zu übergehen. Denn das Land ist endlich, also nur alternativ entweder für Investitionen oder für den Erhalt der für Tier und Pflanze notwendigen Biotope verwendbar. Eine Beschränkung der uns technisch gegebenen Möglichkeiten wird demnach zur Bedingung. Ein Anliegen, dem nur wenige zustimmen können.

Wir, also die vom Naturschutz in einem hochentwickelten Land, glauben an das Gewicht unserer Weltanschauung und leben doch nach den allgemeinen Regeln unseres hiesigen Wohlstandes. Wir können unsere Kraft einem Ideal widmen, weil uns das effiziente System die Mittel zur Verfügung stellt, die uns von den Mühen des Lebenserhalts teilweise oder ganz befreit. Und zwar ganz, wenn man z.B. Ruhegehalt bezieht, dessen Finanzierung ein erfolgreiches Wirtschaftssystem voraussetzt. Wir sind Teil des Systems, dessen Vorteile wir durchaus genießen, wie jedermann. Wir tragen also mit zum Verfall der Vielfalt an Pflanzen und Tieren bei.  

Trotzdem können wir uns der technischen Möglichkeiten z.B. unserer Vielfalt an Kommunikationsmitteln nicht verschließen. Es war ein revolutionärer Weg - den ich mitgemacht habe - von der Schreibmaschine, vom Film, vom Diavortrag zur heutigen Beteiligung an den öffentlich zugänglichen Plattformen für Text, Bild und Sprache mittels der Interformationstechnik IT. Noch nie konnten Informationen so schnell gesammelt und Botschaften so schnell verbreitet werden. Und diese Technik wird noch weitere Überraschungen anbieten. Aber, wir wissen, hier verlassen wir den vertrauten Ring ums Lagerfeuer. Auch für uns wird das Signal wichtiger wie der Geruch. Es wächst der Abstand. Wir verfallen dem Reiz der Produkte in der Hoffnung auf ein erfolgreiches Auftreten.     

Das Virtuelle hat das Gespräch Gott sei Dank noch nicht verdrängen können. Gespräche bilden immer noch das Zentrum der Übereinkommen. So sind wir zusammen mit dem Regierungspräsidium die Begründer der „Burgaurunde“, die 1995 angelegt, sich noch heute regelmäßig - in großen Abständen - einfindet. Neuerdings kostet es immer mehr Mühe, als Beteiligter anerkannt und nicht nur als Empfänger von Beschlüssen – dazu genügte eine Email -  eingeordnet zu werden. Dagegen gilt es anzugehen. Was wir gewagt haben. Mit der Folge großem Aufsehens in Öffentlichkeit und Verwaltung.

Die Burgaurunde ist besetzt mit Vertretern der Nutzer des Schutzgebietes „Burgau“ (Angler, Jäger, Förster und Landwirt) und verschiedener betreuender Ämter (Umweltamt, Liegenschaftsamtes, Tiefbauamt, Rechtsreferat). In diesem Kreis sind NABU und Bund die Einzigen, die durch kein Vertragsverhältnis mit der Stadt verbunden sind. Wir sind also die Einzigen, die das Thema Naturschutz unvoreingenommen, d.h. ohne Nutzungsinteressen, vortragen können. Alle anderen stimmen ihre Anliegen im Rahmen ihres Vertragsverhältnisses außerhalb der Burgaurunde miteinander ab. Und auf diese Verhandlungen kann nur der amtliche Naturschutz, also die Vertreter des Umweltamts Einfluss nehmen. Ein Amt, das einstmals eine selbständige Einrichtung außerhalb des Einflusses der Stadtverwaltung gewesen ist und nicht ohne Zielsetzung in die Einflusszone der Grundstückseigentümer Stadt versetzt wurde.

Unsere Wirksamkeit ist dort wie anderswo abhängig von der allgemeinen Zuneigung zum Thema Naturschutz. Das erfordert ein breites Interesse am Thema. So breit, dass sich die handelnden Personen dem nicht entziehen können. Daran fehlt es grundsätzlich. Die Vertreter anderer Interessen können sich auf die Gleichgültigkeit gegenüber den Ansprüchen der Natur verlassen und sich zurücklehnen. Es gilt die Leitfiguren in allen Positionen als Animateure zu gewinnen. 

Ohne diese Einsichten bin ich in den Naturschutz eingestiegen. Im mittleren Alter, mit Bezügen zu meiner Jugend, finanziell abgesichert und mit der Befürchtung, das könne schon alles gewesen sein. Ein Tümpel stand am Anfang. Am Scheitel des Engagements: 1. Vorsitzender des NABU Gruppe Karlsruhe, Teilnahme an Ausschüssen und Arbeitsgruppen. Zuletzt nur noch virtuell mit der Darlegung meiner Bewertungen des Naturschutzes in der Homepage www.hofgut-maxau.de. Das Alles für die „Burgau“, eine Fläche von vier km im Quadrat an der westlichen Grenze der Karlsruher Gemarkung.

Anfang der 80iger Jahre war ich soweit, meiner Empörung über die Erschließung des Schilfgebietes „Schlehert“ - Teil der Burgau - zur Gewerbefläche Luft zu verschaffen. Und zwar ganz brav mit der Anlage eines Tümpels als Ersatz für einen bei der Bodenbearbeitung vorübergehend entstandenen Teich mit Kaulquappen der unterschiedlichsten Frosch- und Krötenarten. Die habe ich umgesiedelt, mit Kescher und Einmachglas. Das war die zufriedenstellende Phase des 30-jährigen Einsatzes. Ich konnte den Erfolg sehen: Grasfrosch, Erdkröte, Froschlöffel, Tannenwedel, gewöhnlicher Wasserschlauch, Wasserwanze, Gelbbrandkäfer, Plattbauch, Teichmolch. Das klingt wenig beeindruckend. War es aber doch!

Dann war ich so leichtfertig, mich umzuschauen. Mitte der 80er Jahre besuchte ich die alten Wälder, die ich aus den 50er Jahren kannte. Sie waren weitgehend gefällt, der frei gewordene Humus abgetragen und der darunterliegende Kies in irgendwelchen Bauwerken verarbeitet. In der Tieflage der Aue verblieb der erwartete Teich, der Knielinger See.

In den Feldern war die Zeit der Rebhühner vorüber. Sie und andere Feldvögel hatten das Revier wegen der zunehmenden Konzentration auf wenige Früchte verlassen müssen. Auch hier! Obwohl die „Burgau“ im Vergleich zu anderen landwirtschaftlichen Flächen noch heute als ein reichhaltig mit natürlichen Strukturen ausgestattetes Freiland zu bewundern ist. Doch für die Bedürfnisse vieler Arten reichte das allein nicht mehr aus.

Und dieser Rest der Gemarkung der Gemeinden Knielingen und Daxlanden sollte 1985 für ein Gewerbegebiet herhalten. So die Planungen in Verwaltung und Teilen des Gemeinderates. An die Stelle des Genusses mit Tümpel, Frosch und Froschlöffel trat nun die Überzeugungsarbeit am Bürger, der Verwaltung und der Politik. Wer sich da nicht traut, kann nur wenig erreichen.

Allem was ich tat, unterlegte ich den Grundsatz: Ringe dem Ansprechpartner eine positive Aussage zum Naturschutz ab und halte ihn daran fest. Denn wer ist schon gegen den Naturschutz. Die allgemeine politische Lage war dem Naturschutz in den 80iger Jahren des vergangenen Jahrhunderts günstig gesinnt und qualifizierte Naturschützer haben mitgeholfen: Prof. Dr. Rieder, Ernst Frey, Klaus Kußmaul, Dr. Wurzl, Harald Dannenmayer, Horst Bechtold.

Herr Prof Rieder hat mich von den Plänen unterrichtet, die Burgau als Industriegebiet einzurichten. Klaus Kußmaul hat mir den Beitritt zum NABU angeraten. Dr. Wurzl hat die Angler auf den Naturschutz für die Burgau eingeschworen. Ohne Harald Dannenmayer und Horst Bechtold wäre ich auf dem Feld des örtlichen Auftritts niemals so weit gekommen. Und Ernst Frey von der Bezirksstelle für Naturschutz und Landschaftspflege war der amtliche Initiator, dem ich von privater Seite zugearbeitet habe. Er war der letzte Vertreter des Staates, der nicht im Einfluss der Gebietsverwalter, Stadt und Land, tätig gewesen ist.        

Wir haben Dia-Vorträge gehalten, bei politischen Parteien vorgesprochen, Vereine unter einem Brieftext an den Oberbürgermeister versammelt, eine öffentliche Diskussion von OB-Kandidaten zum Thema Naturschutz organisiert, Radio Badenia für monatliche Sonntagstischrunden überredet, die Presse eingeschaltet usw.

Irgendwann im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts war ich für das Thema Naturschutz verbrannt Es entglitt meinen Händen als Vertreter des ehrenamtlichen Naturschutzes, ging mehr und mehr auf die Nutzer des Geländes über. Landwirt, Forstwirt, Angler und Jäger bestimmen nun die Geschicke der „Burgau“.

Da blieb offenbar auch kein Raum mehr für eine Anerkennung in angemessener Form. Mein Wunsch, das Gelände gleichwertig mit den Nutzern betreten zu dürfen, wurde vom RP abgelehnt. Und zwar mit der Begründung, die ehrenwerten Anliegen der Nutzer nicht ausreichend gewürdigt zu haben. Es wäre eine Anerkennung gewesen, die sich im Rahmen meiner selbst gewählten Aufgabenstellung bewegt hätte. Das ist mir Nahe gegangen.

Nun bin ich Träger verschiedener Medaillen geworden. Bewertungen, die die Leistung aber auch das Ende meines Einsatzes anerkennen bzw. benennen. Vor Jahren habe ich als Vertreter des NABU Herrn Knobloch, einst Förster im Dienste der Stadt, bei dessen Verabschiedung ehren dürfen. Die Aussage in dem folgenden Auszug aus meiner Rede reklamiere ich auch für mich und für viele derer, denen die Anpassung ihrer Wunschvorstellungen an die Anforderungen des Alltages nicht gelang:    

„Sie waren, und Sie sind es immer noch, ein Einzelkämpfer. Die Auszeichnung, die Sie jetzt erhalten haben, verleiht Ihnen eine Gesellschaft, die Zivilcourage verehrt, vor ihrer Verbreitung aber deutliche Signale gesetzt hat. Sie kennen die im „ja-aber“ versteckte Ablehnung. Sie wissen, wie müde man bei der Wiederholung immer der gleichen Ermahnungen werden kann Und Sie haben sicherlich genau so oft das Aufstöhnen bemerkt, wenn Sie als schlechtes Gewissen in das übliche Verhalten eingebrochen sind.“

Am Donnerstag den 21. Februar 2019 hat der NABU Karlsruhe die Fürsorge für die „Burgau“ auf meinen und seinen Wunsch in die Hände von Dr. Peter Müller gelegt. Ich wünsche ihm viel Erfolg und viel Vergnügen an dieser Aufgabenstellung.

 

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Karlsruhe, März 2019

max.albert@mail.de

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de