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 Es war einmal

(Beitrag im pdf-Format)

Märchen führen in eine Zeit vor der Unseren. Mit heute 81 Jahren war ich einmal der Stunde der Märchen recht nahe. Damals, in den vierziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts lebte sie noch, die bunte Welt der Bauern mit ihren einfachen, anstrengenden Regeln, die in vielen Märchen beschworen wird.

Der Hof im niedersächsischen Nesselröden war ein verschlossenes Geviert, mit einem das Revier erwärmenden Misthaufen in der Mitte. Allseits beschickt mit in Stroh verpackte Fäkalien von Schwein, Pferd und Kuh. Von dort erzähle ich Ihnen eine Geschichte.

Eines Tages war es soweit. Erst floh der Vater, dann ich, später meine Mutter und meine Schwestern. Mit Hemd und Hose in Rucksack wurde ich an die Grenze gefahren. Dort nutzte ich den Wachwechsel der Grenzsoldaten auf meinem Weg in den Westen. Die Straße führte hinab ins Dorf. Gleich rechts stand der Hof der Leinewebers, die mich 4 Monate lang versorgt haben.

Ich kam aus der Stadt. In einem wieder aufgebauten Flügel einer zerbombten Fabrik haben wir 4 Jahre lang gewohnt. Damals, nach 1945, war die Stadt für 10-Jährige ein großer, weiter Abenteuerspielplatz. Mit stillen Straßen, zugänglichen Ruinen. Eine offene, als Kind ohne Trauer zum Spielen genutzte Trümmerlandschaft.

Nicht der weite Raum war es, der mich auf dem Dorf überraschen konnte. Es war der unmittelbare Bezug zwischen Arbeit und Produkt. Es war die Zeit der Ernte. Die Zeit, in der gewonnen wurde, was vor Monaten angelegt, nun erbringen musste, was den Hof in die nächste Saison überleben ließ. (Eine spätere Erkenntnis.)

Ich sah das Getreide, den Mohn, das Gemüse, die Kartoffeln die Lager und Küche füllten. Ich machte mit, wenn der Erntewagen auf das Feld fuhr und die Garben aufgeladen wurden. Ich saß mit am Mittagstisch, an dem sich Bauer und Gesinde Tag für Tag versammelten. Über dem Tisch hingen vier Klebefallen, voller vom Misthaufen eingeflogener, zappelnder Fliegen. Ich fuhr die Brotteiglinge mit dem Bollerwagen in die Backstube und war damit beauftragt, die Eier der Hühner einzusammeln.

Nachdem ich dem Haushahn bewiesen hatte, wer der Stärkere ist – ich warf ihn im Pferdestall mit einer Mistgabel an die Wand –, habe ich die Suche nach den gelegten Eiern auch pflichtgemäß erfüllt. Das war keine leichte Aufgabe. Das ganze Gehöft war ein einziger Hühnerhof. Die Scheuer auch für die Hühner frei zugänglich. So lagen die Eier in allen Winkeln im Stroh verteilt. Es galt, dem Gackern des Huhnes nachzugehen, wenn mal wieder ein neues Nest angelegt worden war.

Einmal kam eine Henne mit einer Kükenschar überraschend aus einer unbekannten Ecke des Hofes. An ihnen habe ich das Familienleben des Haushuhnes kennen und bewundern gelernt. Und heute wollte ich das wieder beleben.

Es gibt kaum eine andere so unmittelbare Darbietung der Fürsorge für den Nachwuchs. Die Henne lenkt die Küken an die Futterstellen, legt ihnen das Essbare vor den Schnabel, ruft sie unter ihr Gefieder, wenn ihr Blick nach oben eine Bedrohung vermuten lässt. Und das alles, wenn man mit den anderen Hoftieren vergleicht, in einem überschaubaren Format.

Diese Welt im Kleinen hat sich in den 70 Jahren, die seitdem verstrichen sind, grundsätzlich geändert; Von der Tierhaltung her gesehen, verschlechtert. Die Hennen werden künstlich befruchtet. Der Mutterinstinkt gegen die Legeleistung weggezüchtet. Der Bezug zwischen Elterntier und Nachwuchs aufgebrochen. Das Küken ist heute, das Produkt einer Brutmaschine. Als Hahn im Shredder vernichtet oder als niedliches Ostertier vermarktet.

Ich meine, dass es jetzt gilt, den natürlichen Vorgang offen zu legen. Nur so ließe sich der Zugang zu besserer Tierhaltung wieder herstellen. Das Huhn mit Hahn, Henne und Küken zu halten, schien mir im Hofgut Maxau kein Problem zu sein. Einen Fuß für diesen Anspruch hätte ich, schien es mir, mit der Belegung der Internetadresse www.hofgut-maxau.de in der Tür dieses Bauernhofes. Domain gegen Hühnerhof. Was für eine Zumutung.

Die Suchmaschinen des Internets sind keine wertfreien Veranstaltungen. Mit dem entsprechenden Dressing der Domain, kann der User sein Angebot in den Vordergrund schieben. So genügt eine Verballhornung des Eigennamens beim Auftritt im Internet (z.B. ww.hofgutmaxau.de) um trotzdem im Vordergrund angezeigt zu werden. Der Übernahme meiner Adresse bedurfte es nicht. Der Traum war geplatzt. Ende des Märchens. Und nun zum Heute.

Schauen Sie sich das bei Youtupe veröffentlichte Video über die künstliche Befruchtung von Hühnern an.

Falls Ihnen da gewisse Bedenken kommen, sollten Sie sich mit uns zusammen für eine ökologisch orientierte Landwirtschaft auf dem Hofgut Maxau einsetzen. Wenn dort schon nicht alle Eier aus eigener Produktion stammen können, so sollte doch zumindest ein Blick auf den natürlichen Fortpflanzungsvorgang angeboten werden. Ein Hühnerhof mit Hahn, Henne und Küken. Ist das zu viel verlangt? 

max.albert@mail.de

Karlsruhe 11.2017

 

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de