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Das markgräfliche Hofgut MAXIMILIANSAU

(Seiten 42 - 48)

Von Ludwig Stumpf

 

(Beitrag in pdf-Version)

 

 

Mit wahrscheinlich nicht geringem Aufwand ließ der Markgraf Maximilian von Baden sein wie bereits beschrieben erworbenes Gelände roden, einebnen, kultivieren, meliorieren und eindämmen. Er verband die drei Inseln durch Brücken und Fahrdämme, durchforsteten Langengrund und Katersgrund und legte in den Wäldern Richtstätten an.

Der westliche Teil des Langengrundes wurde ausgestockt und zu Ackerland hergerichtet. Auf dem Katersgrund ließ er einen Entenfang anlegen, der heute noch zu erkennen ist, obwohl er seit einem Jahrhundert als solcher nicht mehr benützt wird. Ein Entenhäuschen und ein kleines, wahrscheinlich recht bescheidenes Wohnhaus für den Entenjäger wurden in der Nähe des Entenfangs angelegt. Das Häuschen hatte einen Brandversicherungswert von nur 150 fl. Es war über einen kleinen, niedrigen Gehdamm, einen sogenannten Jägersteg, der von der Hofanläge durch den Altrhein zum Katersgrund führte, zu erreichen. Es existiert schon lange nicht mehr. Nur einige schlanke Koniferenbäume (Thuja) erinnerten bis zum 2. Weltkrieg an den Standort des Entenfänger-Häuschens. In einer dieser Geschichte beigefügten Lageplan erkennt man den "Entenfang" ganz gut.

 An den Wegrändern, den Flurrainen und den Hochwasserdämmen ließ der Markgraf viele Äpfel-, Birnen- und Zwetschgenbäume anpflanzen; es sollen rund 4.000 Bäume gewesen sein, zum größten Teil allerdings nur Wirtschaftsobst. Es wurde alljährlich versteigert, was für die Maxauer Buben immer ein interessantes Ereignis war. An die kleinen "Pfefferbirnen“, die sowohl zum Mosten wie auch zum Trocknen für Hutzeln geeignet waren, erinnert sich der Schreiber dieser Arbeit auch in seinen alten Tagen noch ganz besonders gerne. Die großen "Pfefferbiere- Bäume" standen in der Hauptsache entlang der kleinen Straße, die durch die Mitte des Abtsgründel von Norden her bis zum Gutshof und durch diesen bis zum Schlößchen beim heutigen Tulla-Denkmal führte. Es war eine recht schattige Obstbaumallee.

 Der landwirtschaftliche Teil des Hofgutes war in Gewanne eingeteilt, die die Vornamen von Mitgliedern des damaligen badischen Fürstenhauses trugen. Auf dem bereits erwähnten Plan sind sie eingezeichnet.

 Seinem arrondierten Hofgut gab Markgraf Maximilian den Namen "Maximiliansau". Unter dieser Bezeichnung wird das Gut heute noch in der markgräflichen Güterliste geführt, dies obwohl ein Hinweisschild auf der B 10 zur markgräflichen Gutswirtschaft nur noch auf "Hofgut Maxau" lautet; so ist es auch in den Karlsruher Sprachgebrauch eingegangen.

 Am südlichen Ende der ehemaligen Obstbaumallee stand früher ein Pavillon, der zu einer Bastion der ehemaligen Rheinbefestigungslinie, die zu Beginn des 18. Jahrhunderts gebaut worden war gehörte. Das Bild (fehlt) einer solchen Befestigungsanlage - es waren in der Hauptsache Erdwälle - ist dem Bilderteil angeschlossen. Nachdem diese Anlage badisch und Eigentum des Markgrafen geworden war, ließ der Fürst sie abbrechen. Ein Pfortzer namens Andreas Wolfzorn ersteigerte sie um 25 fl und verwertete das Material. Auf dem frei gewordenen, etwas erhöht liegenden, Platz ließ sich der Markgraf nach Plänen des Hofbaumeisters Küntzle ein einstöckiges Schlößchen mit einem gewölbten Keller bauen. Rosengärten, Zierbuschanlagen mit kleinen Wasserbecken und eine Gartenlaube verschönten das Gelände um das Schlößchen. 20 Jahre später erweiterte der Markgraf die Villa durch Aufbau eines zweiten Stockwerks. Das Lustschlößchen hatte anscheinend im späten Mannesalter des Markgrafen mehr Gäste - wahrscheinlich waren es Freundinnen - als früher aufzunehmen«

 An der nordwestlichen Ecke seiner Maximiliansau ließ der Markgraf in den Jahren 1841/43 einen recht stattlichen, 3 Stockwerke hohen Gasthof mit Saalanbau mit einer darüber liegenden Terrasse erbauen. Links von diesem Gasthof wurde ein zweistöckiges Ökonomiegebäude, das auch Ställe zum Einstellen von Pferden hatte, erstellt. Architekt des gesamten Anwesens war der Karlsruher Baudirektor Fischer. Ein schöner Wirtsgarten, mit Linden-, Ulmen-, Ahorn- und Pappelbäumen bepflanzt, schloß sich südlich an den Gasthof an; ein Rheinbad gehörte dazu. Nach ihm wurde die Gastwirtschaft „Zum Rheinbad“ genannt. Das Bad mit seinen 12 Kabinenabteilen ruhte auf einem Holzfloß, das im Rheinstrom vor dem Gasthofgarten vor Anker lag. Es mußte jeweils im Frühjahr auf- und im Spätjähr nach Beendigung der Badezeit abgeschlagen werden. Diese Arbeit wurde von seinem Erbauer, einem Zimmermeister aus Karlsruhe, alljährlich ausgeführt. Gasthof und Rheinbad waren zusammen verpachtet. Von l842 bis 1880, das waren 38 Jahre, waren acht Pächter auf dem Anwesen, was bedeutete, daß alle 5 Jahre ein neuer Pächter aufzog. Wahrscheinlich standen Pacht und Einnahmen nicht im richtigen Verhältnis zueinander, dies obwohl bis zum Jahre 18?5 in Maxau keine Konkurrenz vorhanden war. Im Jahre 1880 verkaufte die markgräfliche Domänenverwaltung das ganze Anwesen mit Grund und Boden und dem Rheinbad zum Preis von 51 000 Mark an den Wirt Wilhelm Ehmann von Eggenstein. Er war ein tüchtiger Gastronom, der bis zum seinem Tod im Jahre 1910 die Gastwirtschaft mit gutem Erfolg führte.

 Doch zurück zum eigentlichen Hofgut. Schon bald nach dem Wegzug des früheren Eigentümers erweiterte Markgraf Maximilian die Hofanläge. Es wurde gegenüber vom Wohnhaus an die vorhandenen Stallungen und die Scheune ein Schafstall im Brandverisicherungswert von 2 000 fl. Angebaut. Ein zweiter Schafstall wurde 1837 errichtet. Damit hatte die ganze Hofanlage eine Hufeisenform erhalten, die heute noch vorhanden ist, obwohl Scheune und Stallungen im Jahre 1915 durch Feuer und im Jahre 1945 durch Bomben zerstört wurden. Die Wiederaufbauten erfolgten jeweils unter Beibehaltung' des alten Grundrisses. Im Feuerversicherungsbuch der Gemeinde Knielingen, angelegt im Jahre 1843, sind die markgräflichen Bauten auf der Maximiliansau wie folgt beschrieben und veranschlagt:

 

 

 a)ein zweistöckiges Wohnhaus 3 150 fl

b) ein zweistöckiger (?) Schafstall aus Backstein

m.Balkenkeller u.Wetterableiter 3 800 fl

c) ein Anbau an b) mit Freipfosten (es war

eine überdachte Wagenremise) 200 fl

d) eine zweistöckige Scheuer mit Stallung

von Holz (?), mit Wetterableiter 2 350 fl

e) ein zweistöckiger Schafstall aus Backstein

mit Wetterableiter 3 800 fl

f) ein Anbau mit 2 Flügeln und Freipfosten

und Wetterableiter 650 fl

g) ein Schloßgebäude mit gewölbtem Keller, das

Dach mit Schiefer gedeckt und die Plattform

mit Asphalt (damals noch einstöckig) 5 250 fl

h) Gasthaus, 3 Stock hoch, von Sand- und Backstein,

schiefergedeckt m. gewölbtem Keller 1*f 950 fl

i) ein Balkon, 1 Stock hoch, mit Plattform,

angebaut an h) 2 ?00 fl

k) Ökonomiegebäude mit Stallung, 2 Stock hoch,

von Backstein, mit Schiefer gedeckt 6 250 fl 

l) ein Magazin, 1 Stock hoch, von Holz, mit

Dielen verschalt, das Dach m.Ziegel gedeckt 1 000 fl

m) ein Wohnhaus für den Entenjäger, einstöckig 150 fl ,

zusammen 44 250 fl.

 Aus der Tatsache, daß zwei Schafställe vorhanden waren, ist zu schließen, daß eine große Schafzucht und Schafhaltung betrieben wurde. Auch Pferde wurden gezüchtet, was bei einem hohen Kavallerieoffizier, wie der Markgraf es war, sicherlich mit viel Sachkunde und Erfolg geschah. Eine Pferdeschwemme im Altrhein in der Nähe des Hofes benutzten später auch die Maxauer Buben zum Baden, denn das Wasser im Altrhein war immer wärmer als das im Rhein. Auch eine "Wutschen-Waide" bei der Schwemme erinnerte an die Pferdehaltung.

 Verwalter Busam, der im Gutshaus wohnte, war ein umsichtiger und äußerst tüchtiger Landwirt. Unter seiner Ägide wurde die Maximilansau zu einem Mustergut. Durch diesen Erfolg war die markgräfliche Domäne bestrebt, das Gut zu vergrößern. Unter anderem führte sie mit der Gemeinde Neuburg Verhandlungen wegen des Ankaufs der rechtsrheinischen Insel Rappenwörth. Bekanntlich liegt diese Insel etwa 2 km rheinaufwärts von der Südspitze der Maximilansau. Sie war seinerzeit von dieser noch verhältnismäßig gut zu erreichen, denn der Karlsruher Vorhafen und der Stichkanal existierten noch nicht.

Die Neuburger forderten für 189 Morgen Grund und Boden in etwa der gleichen Güte wie der der Maximiliansau 85 000 fl. Dieser Preis war dem Markgrafen zu hoch. Es waren 450 fl für den Morgen, was für die damalige Zeit ein recht schönes Geld war. Hätte der Markgraf damals gewußt, welchen Wert der darunter liegende Kies einmal haben würde, hätte er bestimmt zugegriffen. Dies wäre allerdings zum Nachteil der Stadt Karlsruhe geschehen, die den Rappenwörth im Jahre 1908 kaufte und 20 Jahre später zur Anlage des Rheinstrandbades gut gebrauchen konnte.

Nach Busam, der durch seinen Dienstherrn durch Benennung der "Busam-Wiese" (auf dem Flurplan, der dieser Arbeit beigegeben ist, zu ersehen) bleibend geehrt wurde, kam die Knielinger Familie Vollmer in drei Generationen als Verwalter bzw. als Pächter auf den Hof. Der Wald und das Fischwasser blieben auch weiterhin in der Verwaltung des markgräflichen Domänenamtes. Warum der letzte Vollmer mit dem Vornamen Max 1928 die Gutspacht aufgab, obwohl er vier Söhne hatte, von denen der zweite Landwirt war, ist dem Schreiber dieser Geschichte, der keine Einsicht in das markgräfliche Archiv nahm, nicht bekannt.

Nach Max Vollmer kam Heinrich Lamprecht auf den Hof, der ihn bis zum seinem Tod gut und strebsam bewirtschaftete. U.a. richtete Lamprecht auf dem Hof eine Sommerwirtschaft ein, die so gut ging, daß er bald die Konzession für die Wintermonate beantragte, und anstandslos erhielt. Man konnte in der Gutswirtschaft "deftig vespern". Selbstgebackenes Bauernbrot und aus eigener Hausschlachtung stammende Fleisch- und Wurstwaren sowie zivile Preise waren große Anziehungspunkte.

Damals wurde im Rhein entlang des Gutes in den Buhnenfeldern zwischen der Schiffbrücke und dem Tulla-Denkmal viel frei gebadet und am Rheindamm wild gelagert. Nicht wenige der "Freibädler" waren Gäste der Gutswirtschaft. Der Knielinger Gemeinderat hatte sich laut Ratsprotokoll mit der offiziellen Einrichtung eines Freibades zu beschäftigen. Toiletten wären dringend notwendig gewesen, denn nicht jedes Jahr war Getreide hinter dem Rheindamm angebaut. Wahrscheinlich war die Stadt Karlsruhe, die eine Konkurrenz für ihr neues Strandbad in Rappenwörth befürchtete, zusammen mit anderen Schwierigkeiten der Grund, warum aus dem Vorhaben nichts wurde.

 Nach dem Wegzug der Witwe Lamprecht wurde die Wirtschaft im Gutshof separat verpachtet. Einige Pächter versuchten ihr Glück. Dem Vernehmen nach mußte jeder von ihnen Geld zuschießen. Sie alle konnten sich nicht mehr des Zulaufs und der Gunst der Gäste erfreuen, wie dies bei Lamprechts der Fall gewesen war. Nachdem das Rheinwasser nach dem letzten Krieg immer schmutziger und die Lust zum Freibaden im Strom geringer wurde, blieb das Wochenendgeschäft für den Gasthof gegenüber früher immer geringer. Dazu kam, daß durch die Motorisierung der Massen fernere Ausflugsziele angesteuert wurden. Vor wenigen Jahren wurde das alte Gutsgebäude, in dem sich die Wirtschaft befand, abgerissen und von Grund auf neu erbaut. In einem an den alten Baustil anlehnenden Neubau wurde eine moderne Gaststätte eingerichtet, die von der markgräflichen Verwaltung in eigener Regie geführt wird.

 Seit Aufhebung des Pachtverhältnisses mit Lamprecht wird auch die Landwirtschaft auf der Maximiliansau ohne Vieh und mit modernen Maschinen durch die markgräfliche Verwaltung in eigener Regie betrieben. Gelände in der Burgau, das der Stadt Karlsruhe gehört, wird pachtweise zusätzlich bewirtschaftet. Was aus der Urzelle der Maximiliansau, dem Langengrund, geworden ist, wird an späterer Stelle dieser Arbeit gesagt.

 

 

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Karlsruhe, Juli 2014

max.albert@mail.de

 

 

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de