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 und ein Smoozy-Maker ist ein

kotzender Veganer

 

(Beitrag im pdf-Format)

In einer unendlichen Reihe von Witzen distanziert sich die Gesellschaft von einer mit Verzicht verbundenen Biografie. Der Veganer ist das Vorbild, dem man sich nur im Abseits der Lächerlichkeit erwehren kann. Selbst nicht bereit, Notwendigkeiten anerkennen zu wollen, macht man den unmöglich, der es wagt, Konsequenzen zu ziehen. Den, der sich dem täglichen Fressrausch ohne wirtschaftliche Notwendigkeit entzieht. Und der findet sich am Ende nun in der Ecke der Sektierer.

Frau Merkel öffnete die Grenzen für tausende Flüchtlinge, in dem sie sprach: “Wir schaffen das.“ Ein Satz aus der Seele der Verantwortlichen. Ein Satz der denen die Hosen runter zog, die hinter einem Wald von Wohlreden ihre Distanz zu der notwendigen Hilfe verbergen. Und die sie nun zwang, ihre wahre Einstellung zur Mitmenschlichkeit offen zu legen. Die Reaktionen blieben nicht aus. Frau Merkel musste ihre Politik der Nothilfe relativieren.

Dem Engagement im Naturschutz wird oft vorgehalten, wo aus dieser Sicht „der Mensch bleibt“. Sei es vertretbar, hunderttausende Euro für eine Grünbrücke auszugeben, einen Teich für Frösche zu reservieren, auf seinem Besitz, einen Beitrag für den Klimaschutz zu leisten? Da wird die Hufeisennase zu einem beliebten Werkstück des Komödianten. Heiter wird der bestätigt, der zu faul ist, Konsequenzen zu ziehen. Der Naturschutz muss sich mit unzureichenden Ergebnissen zufrieden geben.

So wird aus dem Gutmenschen ein mit ungereimten Forderungen auftretendes, nervendes Bündel. Aus vorhersehbar notwendigen Anregungen wird der Quatsch von Außenseitern.

In einer Welt voller Sorgen bietet diese Zeit den Meisten in unserer Region einen Lebenszuschnitt, den noch vor Jahrzehnten keiner für möglich gehalten hätte. Der Verzicht auf Teile des Wohlstandes gründet auf der vagen Hoffnung, unserer Art dereinst zumindest diesen reduzierten Lebenszuschnitt bewahren zu können. Ansonsten, so steht als Drohung im Raum, wird unsere Art im Chaos versinken. Bedrängt von Rohstoffmangel und Klimakatastrophen könnten wir dem ganzen Planeten Schaden zufügen.

Es gibt sogar schon Reißaus-Szenarien, die Flucht auf einen anderen Planeten. Binnen 100 Jahren müssen wir den Planeten verlassen, so Physiker Stephen Hawking. Das ist wohl die unsinnigste Variante zur Lösung unserer Probleme. Doch, nehmen wir sie ernst.

Seit Jahrzehnten bemühen wir uns mit einer Vielzahl von programmatischen Ansätzen, sowohl dem Artenschwund als auch der Klimaveränderung Herr zu werden. Nichts davon gelingt. Ein paar starke Männer steigen für ihre Klientel sogar aus einem internationalen Klimaabkommen aus, das in begeisternden Abschlussdokumenten doch immer nur unverbindlich endete.

2007 entwarf die Bundesregierung eine „Nationale Strategie zur biologischen Vielfalt. Unter „Artenvielfalt“ kann man nachlesen:

“Unsere Ziele sind: Bis zum Jahre 2010 ist der Anteil der vom Aussterben bedrohten und stark gefährdeten Arten verringert. Bis 2020 erreichen Arten, für die Deutschland eine besondere Erhaltungsverantwortung trägt, überlebensfähige Populationen. Bis 2020 hat sich für den größten Teil der Rote-Liste-Arten die Gefährdungssituation um eine Stufe verbessert.“

Bleiben wir bei den Vögeln für die Deutschland die besondere Verantwortung übernommen hat. Die Rote Liste zeigt deren Bestandsprobleme in Kategorien:

Bergente (Kat. R: 2009, 2016), Goldregenpfeifer (Kat. 1: 2009, 2016),

Kiebitz (Kat. 2: 2009, 2016), Mittelspecht (2008 aus Rote Liste entlassen), Rotmilan (Kat. V: 2016), Trauerente (kein Brutvogel), Zwergschwan (kein Brutvogel)

(Kategorien: 1 = vom Aussterben bedroht, 2 = stark gefährdet, 3 = gefährdet, R = Arten mit geographischer Restriktion, V = Vorwarnliste)

Der einzige Vogel dieser Kategorie, der zwischen 2007 und 2016 eine überlebensfähige Population erreicht hat, ist der Mittelspecht. 2016 ist der Rotmilan in der Vorwarnliste dazu gekommen. Das gesetzte Ziel – überlebensfähige Populationen erreicht – wird mit großer Sicherheit bis 2020 selbst für diese Vögel auch nicht annähernd erreicht werden.    

Der G20-Gipfel von 2014 fand große Worte für den Klimaschutz: „Wir unterstützen energische und wirksame Aktionen um den Klimawandel anzupacken.“ Deutschland verpflichtete sich, den Treibhausausstoß gegenüber 1990 bis 2020 um 40 %, bis 2030 um 55 %, bis 2040 um 70 % und bis 2050 um 80 bis 95 % zu senken. Wir haben abgewartet. Ergebnis: Von 1990 bis 2015 konnten die Treibhausgase nur um 28 % reduziert werden. Deutschland sei damit von dem Ziel einer Reduzierung um 40 % bis 2020 weit entfernt.

Lt. BNN vom 17.06.2017 wird der Südwesten, das sind wir, die Klimaschutzziele für 2020 ebenfalls weit verfehlen. Kommentarauszug: „Die Emissionen im Straßenverkehr hätten sich – so die Fachleute – seit 2010 wieder erhöht. Neben der Zunahme des Verkehrs sei dafür auch ein Trend zu schweren und leistungsstarken Fahrzeugen verantwortlich.“

Die Verhohnepipelung der Umweltaktivisten hat also gewirkt. „Mann“ setzt auf Stärke und Repräsentanz („Alphatiere erkennt man am Gebrüll“: Mercedes-Benz Broschüre A-Klasse). Nicht auf Rücksichtnahme und Verzicht. Schauen Sie sich mal die unter YouTupe von Mercedes-AMG abgelegte Präsentation des getunten Ablegers der A-Klasse an.

Auf einem in Prozentsegmente geteilten Kreis, stellte das Bundesamt für Naturschutz 2017 die „Rote Liste gefährdeter Biotoptypen“ dar. Danach symbolisiert ein grünes Segment von 24,7 % die Typen „aktuell ohne Verlustrisiko“. Auf der anderen Seite summieren sich die Biotoptypen von „vollständig vernichtet“ bis „stark gefährdet“ auf 28 %. Dazwischen liegen die Typen der Vorwarnliste.

Kein Wunder, dass ein Vertreter des Bundesamtes für Naturschutz in einem Interview mit dem Wochenblatt „Die Zeit“ vom (Ausgabe 08.06.2017 Seite 30) den Warnruf ausspricht:“Ich arbeite seit 15 Jahren an dem Projekt (Rote Liste) mit. Trotz einiger Ausnahmen und trotz der vielen Anstrengungen wird die Situation der meisten Lebensräume immer dramatischer. Das gilt auch für viele Tier- und Pflanzenarten. Wir haben keineswegs eine Trendwende eingeleitet. Wir haben es noch nicht einmal geschafft, den Schwund von Arten und Lebensräumen zu stoppen.“

Das Thema Bienensterben macht derzeit die Runde. Der Imker steht auf einmal im Mittelpunkt (BNN vom 21.06.2017 Seite 22) und entlockt den Politikern die Wiederholung Jahrzehnte alte Forderungen an die Gestaltung unserer Grünräume. Ein Satz der Politik bleibt in Erinnerung: “Wir haben bei diesem Besuch wichtige Grundlagenkenntnisse gewonnen.“

Grundlagenkenntnisse! Als ob das Sterben der Bienen, der Insekten überhaupt, ganz frisch auf dem Tisch läge. „Seit dem Jahr 2000 hat sich der Schwund von Wildbienen und anderen Insektenarten dramatisch beschleunigt.“ So melden sich die Forscher unter der Serie „Faszination Wissen“ in einem unter YouTupe abgelegten Beitrag „So sterben die Insekten“ zu Wort.

Der Imker wird viel Geduld haben müssen, wenn er die Verwirklichung seiner Anliegen beobachten sollte. Allein das Kostenargument wird ihm nicht nur bei dem Wunsch an die Ämter im Wege stehen, die Mahd an die Stelle des Mulchens zu setzen. Bei der Mahd muss das Gras kostenpflichtig entsorgt werden. In der Regel bietet sich kein Verwender an.

Den Hinweis des Imkers auf den Einsatz von Pestiziden wird er vor Landwirten wiederholen müssen. Sie stehen unter Druck der billigen Konkurrenz der Massenproduzenten. Und treffen auf eine Kundschaft, der dem billigsten Artikel den Vorzug gibt (BNN vom 23.06.2017 Seite 5).

Der Wunsch an die Grundstückseigentümer, ihren Pflegeaufwand im Außenbereich nicht durch die Anlage einer Kiesödnis zu reduzieren, trifft auf den Wunsch nach weniger Arbeit. Die vom Gartenbauamt empfohlenen Rückführungen von kiesbedeckten Vorgärten in Blumenweiden haben keine große Resonanz gefunden.

Der Kreis der Zuhörer dieser vom Imker einberufenen Runde wird auch nichts ausrichten können, wenn ein als Bauerwartungsland ausgewiesenes Bienenbiotop eines Tages durch die Ausführung der geplanten Nutzung für ihn verloren geht.

Die beteiligten Vertreter der CDU-Fraktion sollten ihre erwachende Liebe für das Leben der Bienen durch Einfluss auf die Verpachtungsgewohnheiten von städtischem Boden einsetzen. Wir, Vertreter des Naturschutzes, haben in Gesprächen mit dem Liegenschaftsamt nicht erreichen können, dass die Ackerflächen des Hofgutes Maxau zwingend unter einem Verfahren des zertifizierten Ökolandbaus verpachtet wird. Die Verwaltung hatte im ersten Vertragsentwurf die Bewirtschaftung nach EU-Vorgaben „ausdrücklich gewünscht“. Zuletzt aber heißt es: „Es steht dem Pächter frei, einer Erzeugergemeinschaft (ökologischer Landbau, Bioland etc.) beizutreten.“ Die EU-Norm wird nur noch empfohlen. 

Grundsätzlich ist vereinbart, was alle Landwirte auf städtischem Grund verpflichtet, nämlich dass das Grundstück im „Sinne einer ordnungsgemäßen Landwirtschaft nach den Grundsätzen der guten fachlichen Praxis“ bewirtschaftet wird. Die so beschriebene Bewirtschaftungsregel hat, das ist allgemein anerkannt, zum Artenschwund wesentlich beigetragen.

Der jetzige Pächter ist überzeugt, dass es einer Verbesserung dieser Regeln bedarf. Er trat der Marktgemeinschaft Kraichgaukorn bei. Damit unterzieht er die Bewirtschaftung seines Getreides der Kontrolle durch deren Sachverständigen.    

Klima- und Naturschutz verlangt Verzichte. Dazu sind wir nicht bereit. Darum werden Klimaveränderung, Biotop- und Artensterben nicht aufgehalten werden können. Einer gibt es zu. Einer aus den Reihen der Bürgermeister. Sein Pessimismus in Sachen Klimaschutz wagt er öffentlich vorzutragen (BNN 28.06.2017 Seite 17).

Anlagen:

Indikatorenspiegel 2014 zur Nationale Strategie der biologischen Vielfalt

G20 Gipfel 2014 Spiegel Artikel vom 16.11.2014

BNN vom 17.06.2017

Werbung Mercedes-AMG für A 45 Y 4Matic (YouTupe)

Die Zeit 08.06.2017 Seite 30

BNN vom 21.06.2017 Seite 22

„Warum die Insekten sterben“ Faszination Wissen 16.5.17 (YouTupe)

BNN 23.06.2017 Seite 5

BNN 28.06.2017 Seite 17

 

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Karlsruhe, 07.2017

max.albert@mail.de

 

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de