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 Mein lieber Schwan

Ist er der Vernichter des Schilfs am Knielinger See? 

(Beitrag im pdf-Format)

 

In einer Antwort auf die Anfrage der Grünen-Gemeinderatsfraktion über die „Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See“ bemerkte die Stadt als mögliche Ursache den Bestand an Schwänen. 2016, so die Stadt, „waren 82 Schwäne auf dem Knielinger See“(Siehe Anlagen). Dazu merken wir an, dass das nicht gleichzeitig über das ganze Jahr hinweg gewesen sein kann. Verdichtungen haben wir nur beobachtet, wenn im Federbach die Wasserlinsen üppig aufgehen. Diese Frucht ist eine beliebte Nahrung der großen Vögel (Siehe Titelbild aufgenommen 10.2009).

Der von der Stadt aufgezeichnete Einfluss der Vögel  auf nachgepflanztes Schilf gab es gewiss bei den Aufschüttungen, die den Federbach am See vorbei lenken. Dank der Zugangssperre für Fußgänger liegt diese Umleitung des Baches in einem ungestörten Bereich. Er ist also sehr gut von Wasservögeln angenommen (Siehe Anlagen, Bilder: Aufschüttung für Umlenkung Federbach). Die Wasserlinsen sind ganz in der Nähe dieses Bereiches zu finden.

Die jahrzehntelange Beobachtung des gesamten Sees zeigt aber, dass ein auf Schwäne gestützter nachteiliger Einfluss auf das Bestandsschilf nicht zu halten wäre. In Bereichen mit starkem Verfall der Schilfbestände ergab die Beobachtung keine Massierungen der großen Vögel. Als Beispiele haben wir die Chronologie an drei Standorten beigefügt (Siehe Anlagen).

Dagegen scheint sich der Abbau des Schilfs nach dem Abschluss der Sanierungsmaßnahmen und der damit verbundenen Anhebung des Seewasserspiegels verstärkt zu haben. Die Stadt bestätigte in ihrer Antwort auf die Anfrage der Grünen, dass das Schilf auf Wasserspiegelschwankungen empfindlich reagiert. (Ziel dieser Anhebung ist im Übrigen die Verminderung des Zuflusses sauerstoffarmen Grundwassers in den See durch den erhöhten Druck des Seewassers.)

Sollte die Anhebung des Wasserstandes tatsächlich Ursache dieses Vorganges sein, bleibt nur die Schaffung von Ersatzstandorten an geeigneten Ufern. Wir hoffen, dass diese Erweiterung der Sanierungsmaßnahmen am See in Verbindung mit dem für Ende 2017 signalisiertem Ergebnis eines Schilfgutachtens verbunden sein wird.

Ein Restbestand des Schilfs ist an der Nordseite des Willichgrabens zu finden, über den das Seewasser in die Alb abfließt. In jedem Jahr sind dort Rohrsänger zu beobachten. Wir wünschen uns den ungestörten Erhalt dieses Restes an Landschilf. Die jährliche Mahd öffnet jedoch den Zugang für Besucher. Unser Wunsch nach Aufbau einer Gehölzsperre ist in die laufenden Gespräche mit dem Anglerverein eingegangen (siehe Anlagen, Bilder: Willichgraben Mahd).

Es wird deutlich, dass die von der   EG-Wasserrahmenrichtlinie 2012 (siehe   Anlagen) geforderte Seesanierung noch lange nicht abgeschlossen ist.

Eine Besonderheit bei der Pflege des Schilfs ist die regelmäßige Mahd. Soweit uns Gutachten dazu zugänglich waren, enden sie in der Regel mit einem Ergebnis, das wir beispielhaft dem Schilfprojekt der Uni-Kiel entnommen haben. Hier der Text aus dem Gutachten:

„Es ergaben sich für alle untersuchten Parameter keine signifikanten Unterschiede zwischen gemähten und ungemähten aquatischen Röhrichten. Bei den semiaquatischen Röhrichten konnte eine geringere Halmzahl pro m² in den gemähten Beständen gefunden werden, die allerdings statistisch nicht signifikant war. Der Anteil rispentragender Halme war den gemähten Beständen signifikant geringer. Halmlänge, -durchmesser und Insektenbefall zeigten dagegen keine Unterschiede.“ 

Unser Anliegen an die Stadt ist es nun, die von ihr angesetzte Mahd von Schilfbeständen jeweils zu begründen. Dieser Wunsch liegt besonders für die angedachte Mahd des großen Schilfgebietes in der Burgau vor.

Dieses Schilfgebiet, unter dem Namen „Allmend“ bekannt, liegt grundwassernah im Wechselwasserbereich. Es beherbergt als Besonderheit ein jährlich wiederkehrendes Brutvorkommen der Rohrweihe. Auch die Rohrammer wird dort regelmäßig beobachtet. Zudem dient das Schilf nicht nur den Vögeln sondern auch den Rehen, Fasanen und Wildschweinen als Unterschlupf.

Die Rohrweihe trifft z.B. bereits zu einer Zeit ein, in der das Neuschilf die Höhe des Altbestandes noch lange nicht erreicht hat und somit nur beschränkt Deckung bieten kann. Der Blaumeise dienen Insekten in den alten Schilfhalmen im Winter als Nahrung (Siehe Anlagen: Video). Hierzu schreibt der NABU BW:

„Darüber hinaus verkriechen sich viele Insekten im Herbst in die hohlen Schilfstängel und sind dann Energiehäppchen für die überwinternden Vögel. Blaumeisen zum Beispiel haben den Trick mit der „Tiefkühlkost“ herausgefunden. Man kann sie dann dabei beobachten, wie sie die Schilfhalme entlang klettern und dabei mit dem Schnabel an die Stängel klopfen, um die Verstecke der Insekteneier, Larven und Puppen ausfindig zu machen. Dabei hören sie ganz genau hin: Wenn es dahinter hohl klingt – Fehlanzeige. Wenn „volles Rohr“ gemeldet wird, picken sie ein Loch in den Halm und bedienen sich.“ 

Es gibt also viele Argumente für den Wunsch, die Notwendigkeit einer Schilfmahd gut begründen zu müssen.

Anliegend Video, Bilder und Texte zum Thema.

 

Anlagen:

           „Maßnahmen gegen das Schilfsterben am Knielinger See“ 03.2017

Anfrage der Grünen-Gemeinderatsfraktion

Stellungnahme der Stadt Karlsruhe

 

Bilder

Aufschüttung Federbach Leimgrubengrund

            Altrhein Maxau Schilfsterben 2012-2015

            Federbach Schilfsterben 2007-2017

           „Allmend“ Vögel im Frühjahr

Willichgraben Mahd

 

          Video

          Blaumeise an Schilfhalmen Südrand des Knielinger Sees

         

         Schilfprojekt der Uni Köln

         „Das Schilf“ NABU BW

         EG Wasserrahmenrichtlinie Zwischenbericht 2012

 

 

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Karlsruhe, 03.2017

max.albert@mail.de

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de