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Eine Brücke über die Hafeneinfahrt

Neuauflage des Beitrages „Eine wertlose Brücke

(Beitrag im pdf-Format)

 

1. Kapitel:

Am 12.Oktober 2012 haben die BNN den Leserbrief von 37 Unterzeichnern veröffentlicht, in dem der immer wieder diskutierte Bau eine Brücke über die Hafeneinfahrt heftig kritisiert wird. Das ist die Erwiderung auf die in letzter Zeit vorwiegend von der Fraktion der KAL vorgetragene Kampagne für diese Brücke in Presse und Gemeinderat.  Andere  Parteien signalisieren Zustimmung. Man meint, ein Leuchtturmprojekt angehen zu dürfen, wenn das Geld dafür da ist. 

Derzeit stehen die Mittel für die Baukosten im Stadtsäckel nicht zur Verfügung. Einen Ersatzfinanzier sieht man in der EnBW. Dessen Lage direkt an der Hafeneinfahrt würde für das Engagement ebenso sprechen, wie das mit der Zustimmung der Stadt zur Erweiterung des Kraftwerkes erbrachte Entgegenkommen.  

Das Augenmerk der Gemeinderäte sollte jedoch auf eine andere Problematik gerichtet sein. Mit dem Bau der kohlebefeuerten Kesselanlage sind zusätzliche Umweltbelastungen verbunden. Die Stadt hat in Kenntnis dieses Einflusses auf die Karlsruher Luft ihre Zustimmung zur Erweiterung mit der Bitte an das Regierungspräsidium verbunden, die EnBW „ggf. auf freiwilliger Basis“ zur Schadstoffreduzierung zu bewegen. Diese Bitte spricht für die Bedeutung dieses Themas; letztlich für die Bewohner dieses Raumes.

Wenn der Gemeinderat etwas für den Bürger gewinnen wollte, dann hätte er seine Aufmerksamkeit auf finanzielle Unterstützung für Maßnahmen im Umweltbereich - incl. Naturschutz - richten müssen. Das wäre ein Ausgleich für die erhöhten Umweltbelastungen. Und da liegt das Natur- und Landschaftsschutzgebiet „Burgau“ mit dem „Hofgut Maxau“ zu Füßen des Kraftwerks als Empfänger sozusagen auf der Hand.

Die Stadt hat hier die Gelegenheit ihrem im vorigen Monat abgegebenen  Bekenntnis zum Artenschutz mit Taten nachzukommen. Sie ist dem Bündnis „Kommunen für biologische Vielfalt“ beigetreten. Dieser vom Bundesamt für Naturschutz (BfN) initiierte Pakt hat erkannt, dass die Kommunen „wichtige Akteure“ für den Erhalt der biologischen Vielfalt sind. Aus diesem Bündnis entsteht u.E. die Verpflichtung, ökologische Belange der Investition in Brückenbauwerke vorzuziehen. Zumal erst 22 % der erwachsenen Bevölkerung ein ausreichendes Bewusstsein in Bezug auf die biologische Vielfalt besitzen.

 Zwei Beispiele zeigen die Möglichkeiten einer auf Umweltfragen gerichteten Investition:

   

 -    Das NSG „Burgau“ bedarf eines Besucherlenkungs- und Pflegekonzeptes verbunden mit  verstärkter, regelmäßiger Kontrolle der Kerngebiete.   

     

-   Und das „Hofgut Maxau“ wird als ökologisch geführter Betrieb, z.B. zur Unterrichtung der Besucher, subventioniert werden müssen.

 

Es spricht einiges dafür, in den Artenschutz bzw. in die als Grundlage für dieses Ziel notwendige Unterrichtung der Bürger zu investieren.

 

2. Kapitel:

Nicht vorgetragen wurde bisher, dass bereits eine Brücke – das Hafensperrtor – in unmittelbarer Nähe des Rheins vorhanden ist, die schon jetzt als Teil des Fernwanderweges international angeboten wird. Die mit einem Unfall auf dem Hafensperrtor möglicherweise verbundenen Schadensersatzansprüche seien ein Grund dafür, das Gebäude nicht mehr für diesen Zweck anbieten zu wollen. Mit  ihren steilen Treppen ist die Unfallgefahr – besonders mit Lasten z.B. Fahrrädern – wohl gegeben. Damit ist die Hafenverwaltung aber schon jetzt klar gekommen. Unfälle sind nicht bekannt geworden. Der Übergang könnte mit Fahrstühlen oder Zugängen mit geringerer Steigung sicherer und zugänglicher gemacht werden.

Die Kosten für den besseren Zugang über das Hafensperrtor und die Unterstützung im ökologischen Bereich sind sicher zu einem Bruchteil der Kosten für eine Hafenbrücke zu verwirklichen.

Zu diesem Thema lohnt sich ein Rückblick in die Geschichte der Brückenplanung. Der Rückblick startet im Jahr 2000. Damals wurden erste Leitideen für die Bundesgartenschau entwickelt. Darin enthalten der Text:

Dort wo entlang des Rheins Barrieren das Weiterkommen verhindern, etwa am Yachthafen und Ölhafen, sollen beispielsweise Brücken das Vorwärtskommen für Fußgänger und Radfahrer ermöglichen.“

Probleme am Hafensperrtor waren noch kein Thema.  Dieser Übergang wurde im Jahr 2000 noch als akzeptabel angesehen.

Ein Sprung in das Jahr 2006. Die Ergebnisse der Bürgerbeteiligung am Masterplan 2015 lagen vor. Unter dem Titel „Stadt am Rhein“ wurde das Arbeits- und Abstimmungsergebnis zusammengefasst. Das Kapitel beginnt wie folgt: 

Ein vorrangiges Ziel in Karlsruhe ist es, die Natur zu bewahren. Ein bedeutender Schritt in diese Richtung ist die Umsetzung des Weg- und Pflegekonzeptes und der Erhalt des Ökosystems Knielinger See….  Der Radweg vom Yachthafen nach Rappenwörth mit Brücke über die Hafenmündung ist ebenfalls ein beliebtes Ziel für Jung und Alt.“ 

Die Wunschliste der Bürger beginnt – und das ist hervorzuheben - mit der Bewahrung der Natur. Erst an nächster Stelle rangiert der Brückenbau.

Der Wunschpunkt Seesanierung muss jetzt im Rahmen der WRRL bis 2015 umgesetzt werden, nachdem die Stadt die Ausführung der schon im Jahr 1957 übernommenen Verpflichtung immer wieder vor sich her geschoben hat.

Die Erstellung eines Wege- und Pflegekonzeptes hat das RP nun endlich angegangen. Zwei Gutachten landeten schon in der Schublade. Das Konzept soll in seinen wesentlichen Bestandteilen bis zur Fertigstellung der Seesanierung vorliegen. Notfalls bedarf es hier einer finanziellen Unterstützung der Stadt, damit die Wegführungen von vornherein durchgesetzt werden können.   

Die von den Bürgern im Jahre 2006 vorgegebene Prioritätenliste erreichte die Endfassung der Dokumentation des Masterplanprozesses bezeichnenderweise nicht.  Nach der Beteiligung  von Politik, Verwaltung, Institutionen, Vereinen und Verbänden lag der Brückenbau auf einmal an der Spitze der Wünsche. So beginnt der diesbezügliche Beitrag mit den Worten:

Als wesentliches Element des Landschaftsparks erhält das Karlsruher Rheinufer eine durchgehende Wegeverbindung von der südlichen zur nördlichen Gemarkungsgrenze“.

An den deutlichen Wunsch der Bürger „die Natur zu bewahren“ sollten die Verantwortlichen sich heute erinnern und für diese Vorgabe auch eintreten. Das ist eine Gelegenheit, mit der immer wieder beschworenen Bürgerbeteiligung wirklich Ernst zu machen.

Ein weiterer Sprung nun in das Jahr 2009. Die Stadt bewirbt sich mit dem Landschaftspark Rhein für das Landesprogramm „Natur in Stadt und Land“. Dazu folgender Text aus dem Bericht aus der Gemeinderatssitzung vom 28.04.2009:

 „Irritationen gab es im Gemeinderat bei der Frage, ob die Karlsruher Bewerbungsmappe auch die Fußweg- und Radbrücken über die Yachthafen- und Rheinhafeneinfahrt angesichts der enormen Kosten enthalten sollte. …… “ 

Der Gemeinderat wurde sich der „enormen Kosten“ bewusst. Damals wurden die Kosten für das Rheinpark-Projekt auf 27,5 Mio. Euro geschätzt, wobei 18,5 Mio. auf die beiden Brücken entfallen. Aus dem Rheinparkprojekt wurde ein Brückenbauprojekt. Heute wurden allein für die Rheinhafenbrücke schon Kosten von 20 Mio. Euro benannt.

Der Masterplan 2015 fand seine Fortsetzung in dem „Integrierten Stadtentwicklungskonzept Karlsruhe 2020“. Hier sei aus der Auflistung der „Ideen und Anregungen aus dem 1. und 3. Zukunftsforum“ zitiert. Unter Anregungen der Bürger wurde folgender Vorschlag nicht von vornherein verworfen:

Rheinhafenbrücke: „Rhein + Hafen – Brücke, Brücke, die an einer T-Kreuzung des Flusses von allen drei Uferseiten in der Mitte zusammenführt, so dass sich die Brückenteile genau über dem Zusammenfluss der Flussarme treffen.“  

Damit hatte das Nachdenken über die Brücken sein absurdes Ende erfahren. 

 

3. Kapitel:

Heute, am Ende des Jahres 2012, stellen sich die Fraktionen des Gemeinderates wie folgt zu dem Thema Brückenbau am Rheinufer. Es steht nur noch die Brücke über den Rheinhafen zur Debatte.

 

 

Die KAL hat sich klar geäußert. Sie wünscht sich die Brücke als

"wichtigen Lückenschluss für die Radstrecke entlang des Rheins"

Bündnis 90/Die Grünen antworten auf die diesbezügliche Anfrage wie folgt:

 

 Die SPD Gemeinderatsfraktion antwortet wie folgt:

 „Die SPD-Fraktion unterstützt weiter den Bau einer Brücke über den Hafenkopf, weil so die Durchlässigkeit für Fahrradfahrer und Fußgänger entlang des Rheins hergestellt wird. Aus unserer Sicht ist die Brücke ein zentraler Bestandteil für die Entwicklung des Landschaftsparks Rhein.“

 Die anderen im Gemeinderat vertretenen Parteien haben auf eine Anfrage zu diesem Thema nicht geantwortet.

 Es fällt auf, dass die am Brückenbau über den Rheinhafen interessierten Parteien im Bauwerk einen wichtigen Beitrag für einen den Fußgängern und Radfahrern zugänglichen Uferweg ansehen. Die Situation vor Ort zeigt ein ganz anderes Schwergewicht.

 Am Rheinhafen verkürzt  sich der Weg durch eine Brücke – Alternative Hafensperrtor -  nur um ca. 1 km. Durch die Yachthafenbrücke gewänne man ca. 1,2 km. Dafür macht die Brücke über den Ölhafen den Uferweg über eine Länge vom 3,5 km erst zugänglich. Wenn also über den Ölhafen keine Brücke gebaut wird, dann bleibt ein Uferstreifen in dieser Länge für weitere Wege ungenutzt. Radfahrern und Fußgängern bleibt nur der Weg  fern des Rheinufers zwischen den Raffinerien an der Alb.  Der bereits umgesetzten Erschließung über den Weg von Knielingen her wäre nur ein Teilerfolg beschieden.

 Wenn es schon eine Brücke sein soll, dann wäre die über der Ölhafeneinfahrt für den vorgetragenen Zweck am sinnvollsten.

In Gesprächen wird eine Begründung vorgetragen, die in  Anbetracht der vielfältigen Aufgaben einer Stadtverwaltung als besonders angreifbar anzusehen ist. Die Brücke über die Rheinhafeneinfahrt soll ein besonderes Highlight der Stadt am Ufer den Rheins werden.

 Zunächst verursachen über reine Zweckmäßigkeit hinaus konstruierte Bauwerke i.d.R. höhere Kosten. Und von den Besuchern des Rheinparks kann die Schönheit der Konstruktion gar nicht wahrgenommen werden. Den vorbeifahrenden Rheinschiffern hilft es nicht bei ihrer auf Effizienz ausgerichteten Tätigkeit. Und hinter dem gegenüber liegenden Pfälzer Ufer liegt das Schutzgebiet „Goldgrund“ mit sehr geringem Besucherverkehr.

 Wer bei dieser Begründung bleibt, hat die in der örtlichen Situation liegenden Prioritäten nicht erkannt. Sie liegen in der Aufgabe, für mehr Umweltbewusstsein zu werben.  Dazu gehört der Erhalt der Artenvielfalt ebenso, wie die Vermittlung der Erkenntnis, dass die am Ufer erbauten Werke aus den Bedürfnissen der Bewohner heraus notwendig geworden sind. Es gilt für Beschränkungen zu werben: An Strom, an Benzin und an Papier.  

Auf den Bau einer Brücke über den Rheinhafen sollte verzichtet werden, da schon eine Brücke vorhanden ist und freie Gelder im Umwelt- und Naturschutz verantwortungsbewusster investiert sein werden.  

 

 

Unterlagen:

„Neue Chancen für die Hafenbrücke“ BNN 18.07.2012    

„Wettbewerb und Kostenrahmen für Brücke über Rheinhafeneinfahrt“ Antrag KAL an OB 13.09.2012

„KAL hakt bei der Hafenbrücke nach“ BNN 15.09.2012   

„Brücke ist Prestigeobjekt“ BNN 13.10.2012 

„Bekenntnis zur Natur in der Stadt“ BNN 18.10.2012 

„Leitidee der grünen Finger für Stadtgeburtstag und BUGA“ Presse und Info.dienst  15.11.2000

„Karlsruher Masterplan 2015 - 3.7 Stadt am Rhein“

 „Stadt Karlsruhe Masterplan Innovation und Lebensqualität“ Dokumentation der Zukunftskonferenz 27./28.1.2006

 „Integriertes Stadtentwicklungskonzept Karlsruhe 2020 Ideen und Anregungen der Bürger“

Beitritt zum Bündnis Kommunen für biologische Vielfalt 16.10.2012  Vorlage_Top_09… 

„Indikatorenspiegel“ November 2010

Wanderwege am Rhein auf Karlsruher Gemarkung

 

 

 

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 max.albert.ka@googlemail.com

Karlsruhe, den 12.12.2012


 

 

 

wichtigen Lückenschluss für die Radstrecke entlang des Rheins.“

Die Bündnis 90/Die Grünen antworten auf eine diesbezügliche Nachfrage wie folgt: 

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Max Albert, NABU Gruppe Karlsruhe  | max.albert@mail.de